Fernbusse: Von verkehrspolitischer Inkonsequenz

Im näheren Umfeld schwirrt gerade das Thema Fernbusse durch die Gegend; und weil auch die jüngste Ausgabe der Zeit einen Bericht über den ADAC-Postbus enthielt und es gerade nichts E-Commerciges zu verbloggen gibt, ein paar Gedanken dazu.

Es gibt so Dinge, von denen man glaubte, man hätte Sie zum letzten Mal gesehen, bis sie dann, Jahre später, aus unerfindlichen Gründen wieder aktuell werden. Vor einiger Zeit geschehen bei der Atomkraft: der Ausstieg war beschlossen, bis auf einmal der Ausstieg aus dem Ausstieg populär wurde und der Zeitungsleser sich verwundert die Augen rieb. Und hätte nicht Fukushima die Gefährlichkeit von Atomkraft vor gut zwei Jahren auf die denkbar eindrucksvollste Weise unter Beweis gestellt – und damit zu einer kompletten Schubumkehr bei unserer Reaktions-Kanzlerin gesorgt – würde wahrscheinlich auch der Schnelle Brüter wieder aktuell werden. Schade Kalkar, das Wunderland muss wieder der Energieversorgung sorgen.

Jetzt also Fernbusse. Seitdem in diesem Jahr das Bahn-Monopol gefallen ist, dürfen jetzt auch dort Busse fahren, wo einst nur die Bahn die Menschen von A nach B transportieren durfte. Also Reisebusse. Die, von denen ich dachte, ich hätte sie bei der (legendären!) Klassenfahrt nach Budapest zum letzten Mal von innen gesehen und ich würde sie höchstens wieder für eine Heizdecken-Lustreise zum Prickingshof besteigen sind also die Antwort eines der reichsten Länder auf die Logistik- und Energiefragen des fortgeschrittenen 21. Jahrhunderts. Hoppla.

Pikant ist meiner Meinung nach die fühlbare politische Inkonsequenz: Der Bund als Haupteigner der Deutschen Bahn hat es nicht geschafft, dieses Verkehrsmittel so zu fördern/attraktiv zu gestalten, dass Fernbus-Unternehmen kein so deutlich preiswerteres Alternativangebot bereitstellen könnten. Stattdessen wird über die Deutsche Post – deren größter Einzelaktionär ebenfalls der Bund ist – ein Fernbusangebot betrieben. Statt sich also aktiv zu einer Verkehrsstrategie zu bekennen und steuernd einzugreifen, fährt der Bund hier zweigleisig (no pun intended). Dass mit dem ADAC der größte Automobil-Verein der Republik im Boot ist unterstreicht nur, wie stark das Gewicht hin zur Straße verschoben wird.

Über die Energiewende – das andere Thema, das hier eine Rolle spielt – lässt sich ja trefflich streiten: Aber als Laie halte ich es für sehr viel vorstellbarer, dass (nachhaltig) produzierter Strom zentral eingespeist und über Oberleitungen in E-Look-Motoren landet, als dass sich eine Akku-Fernbus-Industrie entwickelt. Aber vielleicht fehlt mir dazu einfach nur die Phantasie …

Über Roman Zenner

arbeitet als Autor und Berater im Bereich E-Commerce. Er hat mehrere Fachbücher zu aktuellen Shopsystemen veröffentlicht und unterstützt mittlere und große Unternehmen bei der Planung und Umsetzung ihrer digitalen Verkaufsstrategie.
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Eine Antwort auf Fernbusse: Von verkehrspolitischer Inkonsequenz

  1. Sebastian sagt:

    Bravo!!! Ganz meine Meinung!

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